Die Geschichte
Die Geschichte von Carcassonne
Dame Carcas und die Glocken, die der Stadt ihren Namen gaben
Die bekannteste Legende erklärt den Namen der Stadt selbst. Während einer langen Belagerung — die Überlieferung setzt sie in die Zeit Karls des Großen — stand Carcassonne kurz vor dem Verhungern. Eine Frau namens Dame Carcas übernahm das Kommando, stellte Strohpuppen auf die Mauern, um eine volle Besatzung vorzutäuschen, und mästete mit dem letzten Getreide das letzte Schwein, das sie über die Mauern warf. Die Belagerer sahen, wie Nahrung weggeworfen wurde, hielten die Stadt für unbezwingbar und zogen ab. Als sie fortzogen, läuteten die Glocken und ein Herold rief „Carcas sonne!" — „Carcas läutet." Eine gemeißelte Büste der Dame Carcas begrüßt Sie noch heute am Narbonne-Tor.
Vom römischen Hügel zur westgotischen Festung
Lange vor den mittelalterlichen Türmen war dieser Hügel eine befestigte gallo-römische Stadt. Der innere Mauerring birgt noch römisches Mauerwerk, erkennbar an den schmalen Steinlagen und den runden Türmen. Nach Rom hielten und verstärkten die Westgoten den Ort — und versteckten hier, so will es die Legende, einen sagenhaften Schatz. Unten römisch, oben mittelalterlich: Diese Schichtung ist der Grund, warum die Mauern so tief in der Zeit verwurzelt wirken.
Die Katharer und die Belagerung von 1209
Im frühen 13. Jahrhundert war Carcassonne Sitz der Vizegrafen von Trencavel und geriet in den Albigenserkreuzzug gegen die Katharer. 1209 verteidigte der junge Vizegraf Raymond-Roger Trencavel die Stadt — doch als die Brunnen versiegten und die Stadt von Flüchtlingen überquoll, fiel sie binnen zwei Wochen. Carcassonne ging an die Kreuzfahrer und dann an die französische Krone über, was die lokale Unabhängigkeit beendete und den Beginn ihres Lebens als königliche Festung markierte.
Die königliche Festung Ludwigs des Heiligen
Unter den französischen Königen, und besonders unter Ludwig IX. (dem Heiligen), wurde Carcassonne zu einer hochmodernen Grenzfestung ausgebaut. Um den älteren Ring legte sich ein zweiter, äußerer Mauerring — die doppelte Verteidigung, die die Stadt bis heute so unverwechselbar macht. Jenseits der Aude entstand eine neue Unterstadt, die Bastide Saint-Louis. Vier Jahrhunderte lang bewachte die Cité die Grenze zur Krone von Aragón.
Verfall, Abriss — und Viollet-le-Duc
Als die Grenze zu Spanien 1659 nach Süden rückte, verlor Carcassonne seinen Zweck und verfiel. Im 19. Jahrhundert wollte der Staat die Mauern abreißen lassen. Die Einheimischen kämpften um ihre Rettung, und ab 1853 begann der Architekt Eugène Viollet-le-Duc eine umfassende Restaurierung. Seine spitzen Schieferdächer — die laut Kritikern eher in den Norden gehören — gaben der Cité die märchenhafte Silhouette, die man heute weltweit kennt, und inspirierten sogar das meistverkaufte mittelalterliche Legespiel der Welt.









